Druckfreundliche (PDF, Word, Excel) Ausgabe mit Application Express und dem BI Publisher
Die druckfreundliche Ausgabe von Berichten ist eine der interessantesten
neuen Möglichkeiten von Application Express 3.0. Möglich wird dies durch
die Integration mit dem Oracle BI Publisher oder
einer anderen FO-Engine (Apache FOP), welcher
das Konvertieren der Berichte
in PDF oder eins der Office-Formate übernimmt.
Abbildung 1: PDF-Ausgabe mit Application Express und dem BI Publisher: Architektur
Wie aus Abbildung 1 erkennbar ist, ist der BI Publisher
kein Bestandteil von
Application Express. Es ist ein separates Produkt, erfordert eine separate Lizenz und
läuft in einer J2EE-Architektur.
Soll ein Application Express-Bericht als PDF ausgegeben werden, so werden
die Daten und ein Layout-Template
an den BI Publisher gesendet, dieser generiert
daraus das PDF-Dokument und sendet es an den Web-Browser des Nutzers.
Die PDF-Ausgabe kann in Application Express auf zweierlei Art und Weise eingerichtet
werden:
Bei Verwendung des Standard Support können Sie
sowohl die in Application Express hinterlegten
Standard-Layoutvorlagen als auch eigene XSL:FO Stylesheets verwenden. Die Standard-Vorlagen
erzeugen ein Tabellen-Layout, erlauben jedoch Variantionen bei Farben, Schriftarten und
-Größen. Wenn Sie eigene XSL:FO-Stylesheets hinterlegen, sind Sie bei der Wahl des
Layouts frei - Das Coding von XSL:FO-Stylesheets ist jedoch sehr aufwändig und erfordert
Kenntnisse sowohl von XML, XSLT als auch XSL:FO. Standard Support funktioniert mit
jeder FO-Engine - neben dem BI Publisher kann also auch eine Open Source-Engine (Apache FOP)
verwendet werden.
Mögliche Druck-Layouts bei Verwendung von Standard Support
Sollen wiederkehrend auch komplexere Berichts-Layouts erstellt werden, so kommt die Verwendung
der Variante Advanced Support in Betracht.
Advanced Support funktioniert nur mit dem Oracle BI Publisher und gibt die Möglichkeit, die Layoutvorlagen grafisch mit
dem BI Publisher Word Template Builder zu erstellen.
Das Hinzufügen von Logos, Charts
oder anderen Komponenten ist mit dieser Variante auf einfachstem Wege möglich.
Mögliche Druck-Layouts bei Verwendung von Advanced Support
Im folgenden erfahren Sie also, wie Sie Ihre Application Express-Anwendung um die
Möglichkeit zur druckfreundlichen Ausgabe erweitern. Dazu müssen Sie zunächst den
BI Publisher installieren: Laden Sie also den
Oracle BI Server (Enterprise Edition) aus dem OTN herunter.
Nachdem Sie das Archiv ausgepackt haben, starten Sie auf Windows die Datei
setup.exe
bzw. auf Unix oder Linux die Datei setup.sh. Die folgenden
Bildschirmfotos sind während einer
Installation auf Linux entstanden - für eine Installation auf Windows sollten sie
ähnlich aussehen.

Legen Sie zu Beginn der Installation fest, in welches Verzeichnis der BI Publisher
installiert werden soll.

Wählen Sie den Oracle BI Publisher als zu installierende Komponente aus.

Stellen Sie, bevor Sie installieren, sicher, dass eine Java-Laufzeitumgebung
in der Version 5.0 oder höher auf dem Rechner installiert ist.

Nun geht's los ...

Die Installation sollte nicht länger als 10 bis 15 Minuten dauern.

Fertig. Der BI Publisher wurde vom Installer bereits gestartet. Das Fenster
zeigt Ihnen noch das Kommando an, mit dem Sie ihn bei Bedarf selbst starten
können.
Ob der BI Publisher läuft, können Sie auch mit einem Browser prüfen. Navigieren Sie
einfach zum Server, auf dem Sie installiert haben - der TCP/IP-Port ist normalerweise
9704. Als URL ergibt sich damit
http://[server]:9704/xmlpserver.
Der BI Publisher ist installiert und bereit.
Diese Seite werden Sie für die Integration mit Application Express
im folgenden nicht weiter benötigen. Auch ein Login auf dieser Seite
ist nicht erforderlich. Es geht im nächsten Schritt an die Einrichtung
von Application Express.
Loggen Sie sich als Application Express-Administrator
(Workspace INTERNAL) an.
Navigieren Sie dann zu Service verwalten,
von dort zu Umgebungseinstellungen verwalten und
schließlich zu den Instance-Einstellungen.
Abbildung 2: Navigation zu den Instance-Einstellungen
Im Bereich Bericht drucken finden Sie die
für den BI Publisher
relevanten Einstellungen. Geben Sie zunächst an, welche Variante
Sie nutzen möchten. Wie bereits oben beschrieben erlaubt
Standard Support
die Nutzung beliebiger FO-Engines - die Layouts sind jedoch eingeschränkt.
Advanced Support funktioniert nur mit dem BI Publisher.
In die drei Felder darunter tragen Sie die Host-Adresse
des Rechners, auf dem Sie den BI Publisher installiert haben, den TCP/IP-Port
(normalerweise 9704) und den URL-Pfad
(für BI Publisher stets /xmlpserver/convert) ein.
Abbildung 3: Einstellungen zum BI Publisher hinterlegen
Die Einbindung einer anderen FO-Engine soll hier nicht näher betrachtet werden;
für das Beispiel Apache FOP finden sich
in diesem
OTN How To-Dokument in den Abschnitten 4 und 5 nähere Informationen.
Nun ist alles vorbereitet; Sie können die PDF-Ausgabe testen. Erstellen Sie
eine Anwendung mit einem Bericht auf die Tabelle EMP.-
Abbildung 4: Ausgangspunkt: Ein Bericht auf die Tabelle EMP
Navigieren Sie nun zu den Berichtsattributen.
Dort befindet sich nun
neben den bekannten Reiterkarten Regionsdefinition und
Berichtsattribute
eine dritte Karte Druckattribute.
Abbildung 5: Druckattribute eines Berichts.
Wählen Sie in der Auswahlliste Berichtsdruck aktivieren
"Ja" aus;
darunter können Sie nun ein Link-Label und einen
Dateinamen
festlegen. Daraufhin wird unterhalb des Berichts ein Link hinzugefügt -
bei Klick auf diesen Link wird der Bericht angefordert.
Der BI Publisher unterstützt vier Formate: Word (RTF),
Excel ( XLS), PDF und
HTML. Sie können entweder ein Format in
den Druckattributen fest vorgeben
oder die Auswahl anhand eines Seitenelements vornehmen - der Nutzer hat dann
die freie Wahl. Erzeugen Sie dazu ein neues Element vom Typ
Auswahlliste mit Umleitung
und tragen Sie STATIC:PDF;PDF,Excel;XLS,Word (RTF);RTF,HTML;HTML
als statische Werteliste ein.
Setzen Sie den Namen der Auswahlliste in den Druckattributen
unter Element ein und wählen Sie als
Ausgabeformat Von Seitenelement ableiten.
Nehmen Sie die übrigen Einstellungen nach Geschmack vor und speichern Sie
die Änderungen. Starten Sie die Seite neu und klicken Sie auf den neuen
Link. Daraufhin sollte sich ein Browser-Fenster öffnen, in welchem Sie
gefragt werden, ob Sie die Datei sofort ansehen oder speichern möchten.
Abbildung 6: Anfordern der Druckausgabe.
Speziell in deutschsprachigen Umgebungen kann es vorkommen, dass Sie leere oder beschädigte
Dateien erhalten. Dies ist ein mittlerweile bekannter Fehler in der Integration
des BI Publisher mit Application Express 3.0.0.00.20 und wird mit dem nächsten Application
Express-Patchset behoben.
Bis zum Erscheinen des Patchsets stehen Ihnen verschiedene Workarounds zur Verfügung.
-
Sie können
in den Anwendungsattributen
(Gemeinsame Komponenten -
Anwendungsdefinition -
Globalization) und ggfs.
im Browser die Sprache auf Englisch einstellen. Die
"Nebenwirkung" wird jedoch sein, dass Datums- und Zahlenformate u.U. nicht
mehr wie gewünscht aussehen.
-
Stellen Sie in den Druckattributen alle
Einheiten auf Punkt um, tragen Sie jedoch
dabei nur ganzzahlige Werte ein. Die Umrechnung
von Millimetern in Punkt ist wie folgt:
1 mm = 2,835 Punkt (pt).
-
Betrachten Sie die URL des neuen Links für die Druckausgabe. Sie sollte in
etwa so aussehen:
Kopieren Sie diese URL in die Zwischenablage (Ctrl-C). Navigieren Sie dann wieder
zu den Druckattributen des Berichts und "deaktivieren" Sie die Druckausgabe,
indem Sie die Auswahlliste Berichtsdruck aktivieren auf Nein stellen.
Navigieren Sie anschließend zur Regionsdefinition, dort zum Regions-Footer
und nehmen Sie den in die Zwischenablage kopierten Link als Hyperlink hier
auf - ersetzen Sie dabei jedoch die letzten beiden Zeichen
de durch en.
Wenn diese vordefinierten Layouts für Ihre Bedürfnisse nicht ausreichen, haben Sie
die Möglichkeit, zusätzliche Berichts-Layouts
zu definieren. Navigieren Sie dazu zu
den Gemeinsamen Komponenten und
dort zum neuen Menüpunkt Berichts-Layouts. Mit einem
Klick auf die Schaltfläche Erstellen erzeugen
Sie ein neues Layout.
Abbildung 7: Neue Berichts-Layouts erstellen
Wenn Sie beim Einrichten des BI Publisher in Application Express die Option
Advanced Support eingestellt haben,
sehen Sie zusätzlich die Möglichkeit,
Benannte Spalten (RTF) auszuwählen.
Die Möglichkeit, XSL:FO-Stylesheets
zu pflegen, haben Sie auch mit
Standard Support.
Abbildung 8: Erstellen eines neuen Berichts-Layouts durch Pflege der XSL:FO Stylesheets
BI Publisher Desktop erweitert MS Word um einige
Makros, so dass die Layoutvorlage bequem mit grafischer Unterstützung durch
MS Word erfolgen kann. Nachdem die Vorlage als RTF (Rich Text Format)-Datei
gespeichert wurde, kann Sie hier unter Benannte Spalten (RTF)
hochgeladen werden. Wie oben bereits erwähnt, benötigen Sie die Einstellung
Advanced Support und zwingend den BI Publisher,
um dies nutzen zu können.
Abbildung 9: BI Publisher Desktop: Erstellen eines Layouts mit MS Office
Wenn Sie mit einer dieser Varianten (entweder RTF oder XSL:FO) ein neues
Berichtslayout erstellt haben, können Sie es in den Druckattributen eines
Berichts in der Auswahlliste Berichtslayout
bequem auswählen.
Mit dem BI Publisher bietet sich dem Application Express-Entwickler eine
sehr mächtige Möglichkeit, elegante Druckausgaben für Berichte zu erzeugen.
Bereits die Variante
Standard Support bietet die Auswahl
zwischen vier Ausgabeformaten, vorkonfigurierte Layout-Vorlagen und die
Möglichkeit, andere FO-Engines einzubinden.
Sollen wiederkehrend neue oder Berichte mit wechselnden Layouts erstellt
werden, so dürfte die Variante
Advanced Support die bessere Option sein.
Zwar ist man hier auf den Einsatz des BI Publishers beschränkt, allerdings ist die
Definition eines neuen Layouts mit MS Word wesentlich einfacher, produktiver und
erfordert darüber hinaus keine besonderen XML- oder Stylesheet-Kenntnisse.
In der nächsten Ausgabe werden wir dies
anhand eines Beispiels darstellen.
Die Definition
der Layoutvorlagen kann also einem Fachbenutzer überlassen werden - während
sich der Anwendungsentwickler um die eigentliche Applikation kümmert.
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